„Die Firma platzt aus allen Nähten“
03.01.2005 08:17 Uhr
FHB-Absolvent Holger Matho hat Unternehmerpreis der Stadt erhalten
Der Schritt in die Selbstständigkeit hat sich für Holger Matho gelohnt. Im November 2004 erhielt der FHB-Absolvent den Unternehmerpreis der Stadt Brandenburg, der anhand von Kriterien wie Entwicklung der Beschäftigtenzahl und des Umsatzes in den vergangenen drei Jahren, Ausbildung und überregionaler Absatz vergeben wird. „Im Nachhinein war die Firmengründung schon ein bisschen blauäugig“, sagt Matho. Aber der Erfolg gibt ihm heute Recht.
Am 1. Juli 2000 gründete Holger Matho die Firma „COMplus Automation GmbH“, deren Geschäftsführer er bis heute ist. Der Weg dorthin war jedoch verschlungen, nicht zuletzt aufgrund des Mauerfalls. 1986 begann Matho
eine Lehre als Elektromonteur beim Stahl- und Walzwerk Brandenburg. Nach der Ableistung des Grundwehrdienstes arbeitete er beim Elektrostahlwerk. Sein Ziel war ein Ingenieurstudium, doch die Verwerfungen der Wendezeit machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Deshalb ließ er sich ab 1991 erst einmal von der IHK zum Facharbeiter für Informationstechnik ausbilden ließ. Mit der Gründung der FH Brandenburg bot sich dann jedoch die Gelegenheit: 1993 nahm er das Studium der Elektro- und Kommunikationstechnik auf.
Sein Studium schloss Holger Matho in der Regelstudienzeit ab: „Ich war fachlich schon recht fit und wollte dann auch mal fertig werden.“ Bis heute ist ihm die Zielstrebigkeit der Studenten, die beispielsweise in seiner Firma ein Praktikum machen, sehr wichtig. Nach dem Abschluss wurde er bei der Firma COMplus Digital in Kirchmöser als Projektingenieur eingestellt. Man kannte ihn dort schon durch Praktikum und Diplomarbeit. Seine Aufgabe war es, Entwicklungen im Bereich Automation und Softwareentwicklung für die Industrie voranzutreiben, denn das Unternehmen war zuvor mehr auf Verwaltung und öffentlichen Dienst ausgerichtet.
Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen COMplus Digital neu strukturiert und Holger Matho sah sich vor die Wahl gestellt: Ausgründen und Verantwortung übernehmen oder den Standort Brandenburg verlassen. Er entschied sich für das Risiko und die Heimatstadt: Die COMplus Automation GmbH entstand.
Durch die fast dreijährige Tätigkeit auf seinem Fachgebiet hatte Matho nicht nur solide Kenntnisse, sondern auch wichtige Kontakte. So hatte er gleich in der Startphase einen Auftrag des Fraunhofer Instituts Magdeburg: Er sollte eine Testumgebung zur Messung von Programmzykluszeiten entwickeln mit dem Ziel, ein Echtzeitbetriebssystem aufzubauen. Zwei Monate nach der Firmengründung stellte Matho mit Mathias Haase, ebenfalls FHB-Absolvent, seinen ersten Mitarbeiter ein.
Die Firmengründung wäre jedoch ohne eine Person nicht zu Stande gekommen: Uwe Maiberg hatte Mathos Diplomarbeit betreut und unterstützte ihn als Mentor beim Weg in die Selbstständigkeit. Mit seiner Hilfe und der eines Steuerberaters bekam Matho auch die betriebswirtschaftliche Seite seines Unternehmens in den Griff. Maiberg ist Geschäftsführer der COMplus Service GmbH, mit der Mathos Firma bis heute eng zusammenarbeitet.
Die Produktpalette von COMplus Automation ist inzwischen breit gefächert: Automation von Industrie- und Produktionsanlagen mit Hard- und Softwarelösungen, Energiemanagement (namhafte Kunden wie Dr. Oetker oder Telekom), ITKomplettlösungen, Produktion und Vermarktung von Neuentwicklungen. Letzteres betrifft ein Projekt des Fachbereichs Informatik und Medien der FH Brandenburg: das Aksen-Board des „RCUBE“, einer intelligente Roboterplattform für sehende autonome Systeme. Complus Automation war schon an der Entwicklung beteiligt, da lag der Produktions- und Vermarktungsvertrag mit der Hochschule nahe.
Auch auf anderem Gebiet kooperiert Holger Matho mit seiner früheren Studienstätte: Für ein Projekt namens „Moradia“ (Mobile Radio-Datenkommunikation für industrielle Anwendungen) arbeitet er mit Prof. Dr. Bernhard Hoier in einem Drittmittelprojekt zusammen. Einer seiner Mitarbeiter, Stefan Meyer, arbeitet sogar ständig in FHB-Labors. Anwendung könnte Moradia vielleicht beim Geoforschungsinstitut Potsdam finden; so könnte mit Hilfe von Schallwellen eine Art Computertomographie
eines Berges oder von Erdschichten erstellt werden.
Zunächst aber steht Mathos Firma eine geographische Veränderung bevor: ein Umzug in ein größeres Gebäude, wiederum in Kirchmöser. „Wir platzen hier aus allen Nähten“, sagt Holger Matho über seine acht Mitarbeiter zählende Firma. Und dieser Indikator für ein gesundes Wachstum ist noch mehr wert als ein Unternehmerpreis.
Quelle: Infocus - 1/2005 - Stefan Parsch